Mittwoch, 21. Januar 2015

Umzugstagebuch 2.0 Welcome back!

Geschafft? Geschafft!

Heute war endlich der Tag, auf den ich ewig gewartet hab. Ich hab den Schlüssel meiner Kassler Wohnung abgegeben und kann mich komplett auf mein Leben in Bad Hersfeld konzentrieren.

Der Umzug am Samstag war alles andere als entspannt. Im Gegenteil. Es war viel Gerenne, Gemecker, Stress. Ich war mit der Situation völlig überfordert, war viel zu gestresst. Hätte ich meine beste Freundin nicht dabei gehabt, wäre ich durchgedreht. Im Transporter war viel zu wenig Platz und die IKEA Taschen haben so unfassbar viel Platz weg genommen, dass wir tatsächlich bei der ersten Fahrt nicht alles mitnehmen konnten.

Aber bei all dem Stress wurde meine Rückkehr bereits ausgiebig zelebriert: wie genial es war, gestern mit meiner besten Freundin Game of Thrones zu schauen, ist kaum in Worte zu fassen. Es ist genial, einfach zu meiner Familie gehen zu können und einfach zu reden.

Ich könnte nicht glücklicher sein.

Dienstag, 13. Januar 2015

Umzugstagebuch: T - 4 Tage

Ich bin immer noch nicht sicher, ob das Zittern am ganzen Körper vom Kaffee kommt, oder von der Aufregung. Also, der Kaffee war so stark, dass er fast Tasse und Schreibtisch durchgeätzt hätte,  aber hey! Nur die Harten komm' in Garten!

Also ist meine extreme Anspannung wohl auf den bevorstehenden Umzug zurück zu führen.

Fassen wir mal die aktuelle Situation zusammen: die Regale sind leer, die Wohnung voll. In Ermangelung an korrekten Umzugskartons wurden alle Gegenstände in IKEA Taschen verpackt, jedes größere Behältnis mit Krempel gefüllt und ständig fällt mir auf: Upsi, DAS MUSS AUCH NOCH EINGEPACKT WERDEN!!!

Eigentlich muss ich auch ganz dringend lernen, aber heute Abend kommt nun mal leider Game of Thrones. Aber nebenbei kann ich immerhin Bettlaken einpacken.

Montag, 12. Januar 2015

Umzugstagebuch: T - 5 Tage

Wenn ich nochmal umziehe und auf die Spitzenidee komme, neben der Arbeit und ohne gescheite Umzugskartons umzuziehen: kommt her und knallt mir eine. Auch zwei, wenn nötig.
Ich bin völlig erledigt, denn man hat relativ deutlich gemerkt, dass alle zurück am Arbeitsplatz sind. Mein Telefon in der Kanzlei hat unaufhörlich geklingelt, meine Chefs hatten ebenso unaufhörlich wichtige Anliegen, die nicht allein geklärt werden konnten. Und dann muss ich diese Woche noch zwei Klausuren schreiben, nächste Woche mündliche Prüfung machen.

Mir explodiert gleich der Kopf.

Hier stehen noch ungefähr Milliarden Sachen rum -woher zum Teufel hab ich so viel Zeug?-  und es muss noch so viel erledigt werden. Mir fallen die Augen zu.

Das einzig positive war, dass ich heute endlich meinen Arbeitsvertrag unterschrieben hab. Darauf und auf den fünftletzten Tag in Kassel: Weiswein.

Sonntag, 11. Januar 2015

Umzugstagebuch: T - 6 Tage

Durch die Wohnung wabern verschiedenste Gerüche, die mein aufgeregtes Hirn total verwirren: es riecht nach Bacon und Waffeln, also meinem Frühstück. Hm, okay, die eine Sache. Es riecht nach Scheuermilch, Abratzo und Spülwasser, denn ich verbringe meinen Sonntag damit, meine Küche zu scheuern. Es riecht nach Nagellack, den ich grade großflächig im Bad verteilt hab, begleitet von einer epischen Schimpftirade. Ich habe mich mitten im Chaos niedergelassen und betrachte die leergeräumten Regale, meine geliebten, jetzt verpackten Serien und Filme. Ich schlürfe Kräutertee und bemerke, dass es nicht sooo schlau war, die Küche schon zu schrubben, weil ich ja noch eine Woche kochen will. Dass es ebenso unklug war, meine geliebten Poster schon abzuhängen, denn die Wohnung wird immer ungemütlicher. Ich fand ja die Wohnung schon in den letzten Monaten nicht so prickelnd, aber jetzt ist es wirklich kaum tragbar.

Ich zähle Tage, Stunden und Minuten.

6 Tage und 15 Stunden.

Freitag, 9. Januar 2015

Kassel - machs gut

Ich sitze auf meinem Sofa und schaue "Das perfekte Dinner". Das ist an sich nicht besonders ungewöhnlich, denn so verbringe ich meinen Feierabend am liebsten. Auch, dass meine Wohnung ein einziges Chaos ist, ist nicht sehr ungewöhnlich. Doch das derzeitige Chaos fühlt sich gut an.

Ich ziehe um.

Ich lasse Kassel endlich (!) hinter mir. Seit 2 1/2 Jahren leide ich hier mehr oder weniger still vor mich hin. Ich habe es gehasst, hier zu wohnen und lasse meine Zeit hier bei jedem Gegenstand, den ich einpacke, Revue passieren.

Ich habe es gehasst, in der mindestens zweitdüstersten Gegend in Kassel zu wohnen, wo man nach Einbruch der Dunkelheit nur mit Pfedfferspray aus dem Haus gehen sollte. Ich habe es gehasst, in einem Haus zu wohnen, in dem ich meine Nachbarn nicht kenne (und zum Großteil auch nicht kennen wollte). Ich hab es gehasst, dass ständig die Polizei, Feuerwehr oder sonstwer vor der Tür stand. Kurzum, als ich jetzt meine Abschlussprüfung bestanden hatte und der Umzugstag in greifbare Nähe rückte, platzte in mir ein großer Ballon mit Glückshormonen.

Aber ich will nicht gemein zu Kassel sein. Es gab auch einige schöne Sachen.

Danke Kassel für folgendes:

-dass ich an einem Sonntag Bücher kaufen konnte
-dass ich in meinem Lieblingscafè perfekten Chai Latte trinken und nebenbei Menschen von oben beobachten konnte
-dass ich wundervolle Wochenenden mit meiner besten Freundin hatte
-dass ich hier das erste Mal Sushi essen konnte
-dass ich hier einige tolle Freunde gefunden habe
-dass ich hier das Abenteuer Ausbildung und erste eigene Wohnung erleben konnte

Danke Kassel und: ich liebe es, hier zu arbeiten. Aber leben - never again